Meine Federn
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Der Wolf in mir

Wolf Krafttier feder

Der Blick des Wolfes

Ein Krafttier auf eine Feder zu malen, bedeutet für mich jedesmal, mich mit der Essenz des Tieres auseinander zu setzen. Mich darauf einzulassen und zuzulassen, dass das Tier mir meine unbewussten Muster zeigt.
Der Wolf war für mich ein herausfordernder „Gegner“. Ich nenne ihn deshalb Gegner, weil sich mir zu Beginn  ein Widerstand entgegengestellte. Etwas in mir wollte sich nicht mit dem auseinandersetzen, was dort auf mich wartete.

So begann ich das Malen des Wolfes damit, zu verstehen, wie sein Fell sich bewegt. Es sind ganz feine Wellen, die immer wieder die Richtung ändern. Das Folgen dieser Wellenbewegung trieb mich hin und her und ich verlor mich in den feinen Strichen des Fells, ohne ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.
Es wühlte mich auf und ich bekam Angst. Angst davor, den Wolf nicht malen zu können, nicht zu verstehen, wie es geht und Angst vor dem Versagen.

Wie so oft im Prozess des Malens, musste ich die Feder mit dem Wolf auf Seite legen und mich erstmal innerlich auf ihn einlassen. Ich hatte ein klares Bild, wie die Feder aussehen sollte, aber ich sah den Weg dorthin nicht.

Die Erkenntnis, was mein nächster Schritt ist, kommt immer wie ein Geistesblitz. Es war für mich der Wolf selbst, der in meinem Feld war und mir mitteilte, um was es geht.
Es geht um’s SEHEN.

„Ich will dich sehen“, sagte der Wolf mir.
Dann war es klar: Ich muss erst seine Augen malen.
Ja – das war es. Ich musste beim Malen dem Wolf in die Augen blicken – und er mir.

Die Essenz des Wolfes

Ich sehe dich“ – Es ist ein so schöner Satz und er sagte mir bisher immer, dass mich jemand wirklich sieht – so wie ich bin. Mein wahres selbst. Ohne Urteil ohne Filter.

Aber es bedeutet noch mehr: Wenn mich jemand sieht, dann bin ich nicht mehr versteckt. Nein, ich werde gesehen. Mit all meinen Stärken, aber auch mit meinen Schwächen. Mit den Eigenschaften von mir, die ich lieber verstecken möchte – vor mir selbst und vor den anderen.

Werde ich gesehen, so kann ich nichts mehr verbergen. Dies zu ertragen, geht nur, wenn ich mich ganz einlasse. Denn wie anstrengend ist es, etwas zu verbergen, wenn ich gesehen werde. Ich versuche Augenblicke zu erwischen, in denen mich keiner sieht – und dann schnell weg, unbemerkt. Dann meine ich, könnte ich durchatmen – in meinem versteckten Raum.

Der Wolf aber fordert mich auf, mich konstant zu zeigen und gesehen zu werden. Kein Verstecken, sondern sichtbar werden. Die Augen des Wolfes blicken unauflässlich auf mich und lassen mir keine Möglichkeit, mich zu verstecken. Er blickt durch die Dunkelheit, in der ich mich ungesehen fühle, auf mich und fordert mich auf, mich zu zeigen – so wie ich bin.

Mich darauf einzulassen und zuzulassen gesehen zu werden, ist ein Kommitment an mich selbst: Kann ich zu mir stehen, so wie ich bin?
Kann ich die Seiten von mir zeigen, die ich am liebsten vor mir selber verstecken würde?

der heulende Wolf

Wie der Wolf mich heilt

So lasse ich nun zu, mich auf den Berg zu stellen und mich von allen Seiten anschauen zu lassen. Ich weiß, dass der Blick des Wolfes mir niemals schaden wird. Ich weiß, dass er mich niemals verurteilen wird.

In die Augen des Wolfes zu blicken ist mehr, als in einen Spiegel zu blicken. Es ist der Blick durch ein Fenster. Was ich dort sehe, bin ich. Jedoch erblicke ich dort nur meinen Schatten. Mein Schatten im fahlen Licht des Mondes.
Ich möchte heulen.

Doch ich stelle mich auf den Berg und rufe und heule:
„Hier bin ich“ „Ich sehe mich“ „Das ist alles, was ich habe!“

Stille. Was passiert?
Nichts – Oder doch: Der Wolf kommt zu mir. Er stupst mich an. Er freut sich mit mir.

Dann blickt er mir  tief in die Augen und sagt:

„Jetzt kannst du führen. Du hast dich gerade selbst zu einem Leitwolf erhoben –
Der Leitwolf deiner Innenwelt. Du hast dich in das Licht deiner eigenen Augen gestellt.
Alle Aspekte in dir können dich jetzt sehen und können dir folgen.

Wahre Führerschaft kann nur aus dem WAHREN Selbst entstehen und führen kannst du nur, wenn du dich zeigst und wenn du gesehen wirst. Dazu musst du zuerst dich selbst sehen – mit allen Seiten von dir.
Vor allem wirst du nun dich selbst führen können – Kannst du dich selbst führen, kannst du die Welt führen.
Führen heißt nicht Macht haben – sondern den Mut zu haben, dich mit allem zu zeigen, was du bist. Das ist wahre Authentizität – Das ist wahre Führung.“

Hier bin ich.

3 Kommentare

  1. Małgorzata Wittneben sagt

    Das ist unglaublich schön, was du über deine Begegnung mit dem Wolf geschrieben hast. Es ist sehr kraftvolles Bild, die hilf über sich selbst nachzudenken. Ich danke dir dafür!

  2. Nicola Classen sagt

    Vielen Dank, leibe Malgorzata. Es war eine intensive Begegnung und sie hat mir nun auch schon im Alltag weiter geholfen. Als ich in einer angstvollen Situation war, habe ich mir die Augen des Wolfes vorgestellt. Ich dachte mir, einfach rein in die Angst und zulassen, was immer jetzt geschehen will.
    Danach hat sich die ganze Situation verändert. Ich glaube, ich werde die Geschichte in einem Video auf FB posten, weil sie so wertvoll ist.

    Vielen Dank für deinen Kommentar 🙂

  3. Pingback: Eine Krafttier-Feder geht nach Hause - The Ever Opening Flower

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